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Ministerpräsident Günther H. Oettinger und GENO-Präsident Erwin Kuhn
haben am Donnerstag den VR-Innovationspreis Mittelstand auf dem
Wirtschaftstag der württembergischen Volksbanken Raiffeisenbanken
verliehen. Fast 1.300 Unternehmer sind zu diesem Mittelstands-Forum,
das die württembergischen Volksbanken Raiffeisenbanken jährlich für
ihre Firmenkunden veranstalten, in die Stuttgarter Liederhalle
gekommen.
Der VR-Innovationspreis Mittelstand 2008 (Hauptpreis) geht an die
Tecnaro GmbH in Ilsfeld-Auenstein, Landkreis Heilbronn. Das Unternehmen
hat auf der Grundlage des Naturpolymers Lignin das thermoplastische
Flüssigholz Arboform entwickelt. Durch den Einsatz von Arboform kann
die kunststoffverarbeitende Industrie Produkte, die bisher aus
Kunststoffen gefertigt werden, mit einem nachhaltigen Werkstoff
produzieren, der erdölunabhängig hergestellt wird und biologisch
abbaubar ist. Die Elektronikindustrie setzt das Flüssigholz
beispielsweise für die Fertigung von Lautsprecherboxen oder
Uhrengehäusen ein. Aber auch bei der Herstellung von Blumentöpfen,
Urnen, Knöpfen, Modeschmuck, Krippenfiguren, von Verpackungsmaterial
und Präzisionsteilen kommt Arboform zum Einsatz.
Der VR-Innovationspreis Mittelstand ist mit insgesamt 50.000 Euro
dotiert. Die württembergischen Volksbanken Raiffeisenbanken vergeben
ihn dieses Jahr zum achten Mal. Der Hauptpreisträger kann sich auf
25.000 Euro freuen, zwei Sonderpreisträger erhalten zusammen 25.000
Euro. Teilnehmen konnten mittelständische Unternehmen mit Sitz in
Baden-Württemberg, die maximal 100 Mio. Euro Umsatz machen und
höchstens 500 MitarbeiterInnen beschäftigen.
Ministerpräsident Günther H. Oettinger ehrt Gewinner
Ministerpräsident Günther H. Oettinger betonte bei der Preisverleihung,
dass die Wirtschaft Baden-Württembergs ganz maßgeblich von neuen Ideen,
frischer Kreativität, unkonventionellen Lösungen, von der
Innovationskraft seiner Unternehmerinnen und Unternehmer lebe. Der
VR-Innovationspreis Mittelstand belohne die Arbeit oft vieler Jahre und
sporne gleichzeitig an, weitere Ideen zu entwickeln und zu
verwirklichen. "Ich freue mich, heute drei ganz herausragende
Leistungen in völlig unterschiedlichen Bereichen auszeichnen zu dürfen.
Ich möchte damit auch Anderen Mut machen, sich von Schwierigkeiten und
Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen. Gute Ideen haben Zukunft. Und
wenn ich über gute Ideen rede: Eine sehr gute Idee ist der Wettbewerb
um den VR-Innovationspreis Mittelstand", unterstrich Ministerpräsident
Oettinger.
Kuhn: Die Mehrzahl der Innovationen kommen aus dem Mittelstand
"Nichts macht eine Volkswirtschaft und eine Region stärker als
Unternehmen, die innovative Ideen haben und sie auch umsetzen. Die
Unternehmen mit den besseren Lösungen behaupten sich im Wettbewerb,
schaffen und erhalten Arbeitsplätze und tragen zum Wohlstand einer
Region bei", betonte GENO-Präsident Erwin Kuhn für die Volksbanken
Raiffeisenbanken bei der Verleihung. Die überwiegende Mehrzahl der
Innovationen komme aus dem Mittelstand. "Mittelständische Unternehmen
gehen Risiken ein und begeben sich auf neues Terrain, um Chancen zu
suchen und zu nutzen." Die Volksbanken und Raiffeisenbanken könnten
selbst nur Erfolg haben, wenn die Wirtschaft in ihrer Region
prosperiert, "denn genossenschaftliche Banken sind durch die
Mitgliedschaft an die Menschen und Unternehmen ihres regionalen
Geschäftsgebietes gebunden".
Der Hauptpreis: Flüssiges Holz als Bio-Kunststoff
Bereits seit Mitte der 90er Jahre forschen der Maschinenbauer Jürgen
Pfitzer und der Chemie-Ingenieur Helmut Nägele an der Entwicklung eines
Bio-Kunststoffes. 1998 haben sie sich mit ihrem Unternehmen Tecnaro
(Technologie nachwachsender Rohstoffe) selbstständig gemacht. Die
Tecnaro GmbH beschäftigt heute zehn Mitarbeiter und ist weltweit tätig.
In den vergangenen Jahren hat sich der Umsatz verdreifacht.
Der Holzwerkstoff Arboform geht aus einer fast zehnjährigen Forschungs-
und Entwicklungsarbeit hervor. Das Besondere ist, dass er sowohl Holz-
als auch Kunststoffeigenschaften vereint. Arboform wird auf der
Grundlage des Naturpolymers Lignin gewonnen. Lignin wird zu 30 Prozent
in jedem Baum und jeder verholzten Pflanze (Stroh) durch Fotosynthese
gebildet, zu 70 Prozent besteht er aus Zellulose. Die Tecnaro GmbH
bezieht den nachwachsenden Rohstoff vor allem von der
Zellstoffindustrie, wo er ein Abfallprodukt ist. Die Tecnaro GmbH hat
dieses Polymer zur Grundsubstanz ihres Flüssigholzes gemacht und mischt
es mit anderen Naturfasern.
Erdölunabhängig und biologisch abbaubar
Dadurch ist es gelungen, einen thermoplastischen Holzwerkstoff
herzustellen, der durch Erwärmung zu Formteilen, Platten oder Profilen
weiterverarbeitet werden kann. Durch das Lignin erhält der Werkstoff
die Druckfestigkeit natürlich gewachsenen Holzes. Die integrierten
Naturfasern geben dem Flüssigholz zudem Zugfestigkeit. Durch den
Einsatz von Arboform kann die kunststoffverarbeitende Industrie
Produkte, die bisher aus Kunststoffen gefertigt werden, mit einem
nachhaltigen Werkstoff produzieren, der erdölunabhängig hergestellt
wird und biologisch abbaubar ist.
Die Kunden von Tecnaro sind die holz- und kunststoffverarbeitende
Industrie und deren Kunden. Die Elektronikindustrie setzt Arbofom
bereits für Serienfertigungen beispielsweise von Lautsprecherboxen ein.
Aber auch Musikinstrumente wie Blockflöten, Mundharmonikas oder
Stimmstöcke von Akkordeons lassen sich damit herstellen. Sie weisen
mindestens so gute akustische Eigenschaften auf wie Instrumente aus
hochwertigem Echtholz.
Die Sonderpreisträger 2008 Hauchdünner Stein exklusiv für Daimler
Den Sonderpreis für das Handwerk des Finanzverbundes der Volksbanken
Raiffeisenbanken erhält die Naturstein- verarbeitungsfirma Jogerst
Stein Technologie GmbH in Oberkirch, Ortenaukreis, für eine völlig neue
Verarbeitungstechnik von Hartgesteinen. Das Unternehmen, das 19
Mitarbeiter beschäftigt, hat eine Dünnsteintechnologie entwickelt, mit
der sich Natursteine biegen lassen, ohne dass ihre Kornstruktur oder
die Originaloberfläche zerstört werden, und das bei einer
Materialstärke von 0,3 bis 0,6 Millimeter.
Damit lassen sich dreidimensional verformbare Natursteinfurniere
herstellen, die die Daimler AG zur Verzierung des Pkw-Innenraums
einsetzt. Dem Autokonzern wurde dafür ein exklusives Nutzungsrecht an
dem Patent für den Fahrzeugsektor eingeräumt.
Die Natursteinfolie des Unternehmens aus Oberkirch wird darüber hinaus
im Flugzeug- und Schiffsbau dort eingesetzt, wo Gewicht eine Rolle
spielt und massiver Stein nicht verwendet werden kann. Auch im
Instrumentenbau findet der hauchdünne Stein beispielsweise bei der
Ummantelung eines Konzertflügels Anwendung. Inzwischen wurden zudem die
ersten Computer inklusive der Maus mit dem Steinfurnier belegt.
Ölspuren sanft weggeschrubbt
Mit dem Sonderpreis des Finanzverbundes der Volksbanken
Raiffeisenbanken wurde die Biotec-Ölspurnassreinigungs GmbH aus
Heilbronn ausgezeichnet. Das Unternehmen mit sieben Mitarbeitern hat
eine Reinigungsmaschine für Verkehrsflächen entwickelt. Die Biotec No1
ist auf die Reinigung von Fahrbahn- verschmutzungen durch Öl, Tier- und
Pflanzenfette, Lacke, Kleber oder Ölbinder spezialisiert.
Gegenüber herkömmlichen Reinigungssystemen bringt die Biotec No1 des
Heilbronner Unternehmens klare Vorteile: Neben einer
oberflächenschonenden Reinigung mit Schrubbsaugtechnik sorgt ein
integriertes Recyclingsystem dafür, dass das verschmutzte
Reinigungswasser vor seiner Entsorgung noch bis zu dreimal recycelt
werden kann. Auch in den Wintermonaten ist eine porentiefe Reinigung
gewährleistet.
Quelle: Pressemitteilung
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